Hitze und Sonne wirken oft harmloser, als sie sind. Dieser Beitrag zeigt typische Irrtümer und wirksame Schutzmaßnahmen für den Arbeitsalltag.

Hitze und Sonne gehören für viele Beschäftigte zum Arbeitsalltag. Gleichzeitig werden die größten Risiken oft unterschätzt. Die meisten Gesundheitsprobleme entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich schleichend über Stunden, Tage oder sogar Jahre. Wer typische Irrtümer kennt, kann sich deutlich besser schützen.
Durst ist kein Frühwarnsignal, Schatten schützt nicht immer und Sonnenbrand ist oft nur die sichtbare Spitze des Problems. Dieser Beitrag zeigt sieben weit verbreitete Irrtümer rund um Hitze, UV-Strahlung und Flüssigkeitsmangel – und erklärt, welche Maßnahmen im Arbeitsalltag wirklich wirksam sind.
Ein Platz im Schatten schützt vor direkter Sonneneinstrahlung – aber nicht automatisch vor UV-Strahlung. Der Grund ist die sogenannte diffuse Strahlung: UV-Strahlen werden von der Atmosphäre gestreut und durch Oberflächen wie Beton, Glas, Wasser oder Metall reflektiert. Je nach Untergrund und Umgebung können dadurch selbst im Schatten noch bis zu 50 % der ungeschützten UV-Strahlung auf die Haut treffen.[1]
Viele Beschäftigte fühlen sich deshalb geschützt, obwohl die Haut weiterhin UV-Strahlung ausgesetzt ist.
Viele vermuten das größte Risiko zur Mittagszeit. Tatsächlich treten Kreislaufprobleme häufig erst am späten Nachmittag auf. Der Grund: Flüssigkeitsverlust, körperliche Belastung und Sonneneinstrahlung summieren sich über den gesamten Arbeitstag.
Der Körper zahlt die Rechnung oft erst Stunden später.
Sonnenbrand verschwindet nach einigen Tagen. Die entstandenen Zellschäden bleiben jedoch teilweise bestehen.
Fachleute sprechen vom sogenannten UV-Memory-Effekt. UV-Strahlung dringt in die Hautzellen ein und beschädigt direkt die DNA. Obwohl der Körper Reparaturmechanismen besitzt, führen wiederholte Schäden zu dauerhaften Mutationen. Jede schmerzhafte Rötung verdoppelt statistisch das Risiko, im Laufe des Lebens an einem Melanom (schwarzem Hautkrebs) zu erkranken.[2]
Jede starke UV-Belastung erhöht langfristig das Risiko für Hautveränderungen und Hautkrebs.
Viele glauben, gebräunte Haut sei ausreichend geschützt. Tatsächlich ist Bräune bereits eine sichtbare Reparatur- und Abwehrreaktion auf bestehende UV-Schäden. Die Haut verdickt die Hornschicht (Lichtschwiele) und bildet Melanin, um den Zellkern vor weiterer Strahlung zu schützen. Dieser körpereigene Mechanismus bietet jedoch maximal einen Lichtschutzfaktor (LSF) von etwa 3 bis 4. [3]
Dies reicht bei hoher UV-Belastung im Sommer nicht aus und ersetzt keine externen Schutzmaßnahmen wie Sonnencreme mit hohem LSF oder Kleidung.
Die meisten achten auf Schwindel oder Kreislaufprobleme. Früher treten häufig Konzentrationsschwierigkeiten, langsamere Reaktionen oder erhöhte Fehlerquoten auf. Bereits ein geringer Flüssigkeitsverlust von 1 % bis 2 % des Körpergewichts reduziert die kognitive Leistungsfähigkeit und die Reaktionszeit messbar. [4]
Bei körperlicher Arbeit unter Hitze können Beschäftigte problemlos 1 Liter Schweiß pro Stunde verlieren.
Wird dieses Defizit nicht kontinuierlich ausgeglichen, steigt gerade im Arbeitsumfeld das Risiko für Fehler und schwere Arbeitsunfälle drastisch an.
Viele verbinden UV-Strahlung mit strahlendem Sonnenschein.
Tatsächlich kann auch an bewölkten Tagen die UV-Belastung überraschend hoch sein. Eine leichte oder lockere Wolkendecke lässt noch bis zu 80 % der UV-Strahlung hindurchtreten. [5]
In bestimmten Fällen kann durch Reflexionen an den Wolkenrändern (sogenannter Cloud-Enhancement-Effekt) die UV-Intensität am Boden kurzfristig sogar höher sein als bei völlig klarem Himmel.
Deshalb entstehen Sonnenbrände und UV-Schäden häufig auch an Tagen, die gar nicht besonders sonnig wirken. Selbst ein längerer Aufenthalt im Schatten, beispielsweise zwischen Gebäuden, kann bei empfindlichen Personen an einem Tag mit hoher UV-Strahlung zu Sonnenbrand führen.
Gerade bei Arbeiten im Freien wird der Sonnenschutz an bewölkten Tagen oft vernachlässigt – obwohl die Belastung weiterhin hoch sein kann.
Viele glauben, wirksamer Hitzeschutz erfordere aufwendige Maßnahmen.
Tatsächlich haben oft einfache Maßnahmen den größten Effekt. Die US-Arbeitsschutzbehörde OSHA empfiehlt hierzu die Einhaltung der Kernregel „Water. Rest. Shade.“ (Wasser. Rast. Schatten.) [6] :
Wirksamer Schutz beginnt häufig mit guter Organisation – nicht mit hohen Investitionen.
Hitzeerschöpfung und UV-Schäden entstehen meist nicht plötzlich, sondern entwickeln sich schleichend. Wer typische Irrtümer kennt, Warnsignale früh erkennt und einfache Schutzmaßnahmen konsequent umsetzt, reduziert Gesundheits- und Unfallrisiken deutlich. Gerade bei Arbeiten im Freien sind Hydration, Sonnenschutz und eine gute Organisation wichtige Bestandteile eines wirksamen Arbeitsschutzes.
[1] Cancer Institute NSW. (o. D.). Why is shade important for UV protection? https://www.cancer.nsw.gov.au/prevention-and-screening/preventing-cancer/preventing-skin-cancer/shade-and-uv-protection/why-is-shade-important-for-uv-protection
[2] Skin Cancer Foundation. (o. D.). Sun protection. https://www.skincancer.org/skin-cancer-prevention/sun-protection/
[3] Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). (o. D.). Schutzreaktionen der Haut. https://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/wirkung/akut/schutzreaktion.html
[4] MSC Industrial Supply Co. (o. D.). White paper: Dehydration and heat stress. https://www.mscdirect.com/knowledge-center/articles/white-paper-dehydration-and-heat-stress
[5] Cancer Council Victoria. (o. D.). 7 myths about sun protection. https://www.cancervic.org.au/get-support/stories/7-myths-about-sun-protection.html
[6] Occupational Safety and Health Administration (OSHA). (o. D.). Heat exposure: Water. Rest. Shade. United States Department of Labor. https://www.osha.gov/heat-exposure/water-rest-shade
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