Mental Health

Psychische Gefährdungsbeurteilung: Was Firmen wissen müssen

Erfahre alles, was du wissen musst, zur psychischen Gefährdungsbeurteilung - Inhalt, Ablauf, Pflicht, Kosten, Häufigkeit. Informiere dich jetzt.

Dr. Zubin Farahani
February 11, 2024
Lesezeit:
5 Minuten

Die psychische Gefährdungsbeurteilung oder Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist eine gesetzlich vorgeschriebene Maßnahme im Rahmen des Arbeitsschutzes. Mitarbeiter*innen, die ohne psychische Belastungen arbeiten können, sind zufriedener und produktiver. Zeitdruck, Unterbrechungen oder das Verhalten von Führungskräften haben einen Einfluss auf die Psyche. Da psychische Belastungen und Erkrankungen rapide ansteigen ist die psychische Gefährdungsbeurteilung eine sehr sinnvolle Maßnahme, um das Thema mentale Gesundheit im Betrieb anzugehen. Wir zeigen dir, was du wissen musst wie Durchführung, mögliche Maßnahmen, Kosten oder Rechtsgrundlagen.

Zusammenfassung

Die psychische Gefährdungsbeurteilung ist ein hilfreiches Instrument, um das Thema mentale Gesundheit im Betrieb strukturiert zu verstehen und anzugehen. Sie ist zudem im Arbeitsschutzgesetz vorgeschrieben für alle Arbeitgeber. Es werden nie einzelne Mitarbeitende geprüft, sondern immer nur die Arbeitsbedingungen. Durch eine strukturierte und digitale Durchführung, können Ergebnisse kosteneffizient erreicht werden. Wichtig ist jedoch, dass die Durchführung professionell und unter Einbeziehung der Organisation erfolgt.

Was ist eine psychische Gefährdungsbeurteilung ?

Die psychische Gefährdungsbeurteilung dient dazu, psychische Belastungen, Beschwerden und Beanspruchungen bei der Arbeit sichtbar zu machen. Dabei steht nicht die psychische Gesundheit der einzelnen Person im Vordergrund, sondern vielmehr die Arbeitsbedingungen, d.h. das soziale Miteinander, die Arbeitsumgebung, die Arbeitsinhalte und die Arbeitszeitgestaltung. Die Erfassung von psychischen Belastungen ist eine arbeitsschutzgesetzliche Pflicht. Seit 2013 ist dies explizit im Arbeitsschutzgesetz vorgegeben.

Was ist Inhalt einer psychischen Gefährdungsbeurteilung?

Der Inhalt einer psychischen Gefährdungsbeurteilung ist die Beurteilung der Arbeitsbedingungen und welche mentalen Risiken es im Betrieb gibt. Im Vordergrund steht die Beurteilung folgender Felder

  • Arbeitsinhalte und Arbeitsaufgaben: Verantwortung der Mitarbeitenden, ihre Freiräume, Qualifikationen und emotionale Inanspruchnahme
  • Arbeitsorganisation: Verfügbarkeit der Beschäftigten, ihre Arbeitszeit, Abläufe, Kooperation und Kommunikation zwischen den Beschäftigten
  • Soziale Beziehungen: mit Mitarbeiter*innen und ihren Vorgesetzten
  • Arbeitsumgebung: Besondere Belastungen wie z.B. Lärm, ergonomische Bedingungen oder klimatische Verhältnisse
  • Arbeitsformen: z.B. gibt es befristete Beschäftigungen oder Home-Office

Durch die strukturierte Erfassung der Arbeitsbedingungen entlang der unterschiedlichen Kriterien ergibt sich ein gutes und umfassendes Bild möglicher psychischer Belastungen und Möglichkeiten zur Vorsorge.

Worauf muss bei der Durchführung der psychischen Gefährdungsbeurteilung als Firma geachtet werden?

Das Thema mentale Gesundheit und psychische Belastungen ist ein sensibles Thema. Da die Durchführung der psychischen Gefährdungsbeurteilung die Mitarbeitenden direkt einbindet, ist es sehr wichtig einige Rahmenbedingungen einzuhalten. Dann kann sie auch ihr volles Potential entfalten

  • Unterstützung des Top-Managements: nur wenn das Top-Management die Durchführung unterstützt, ist die notwendige Glaubwürdigkeit und eine spätere Umsetzung von Maßnahmen möglich
  • Kommunikation und Einbezug der Organisation: Klare Kommunikation zu Zielen, Prozessen und später Ergebnissen ist wichtig für das notwendige Vertrauen. Mitbestimmungsvertretungen wie ein Betriebsrat sind mit einzubeziehen
  • Anonymität gewährleisten: Nur bei ehrlichen Antworten der Beschäftigten, ist eine realistische Einschätzung möglich. Ein Einbezug eines externen Partners kann helfen, den Beschäftigten die Anonymität ihrer Antworten zu gewährleisten und neutral bei der Erarbeitung von Maßnahmen zu unterstützen
  • Professionelles Projektmanagement: Die Durchführung der Befragung wie auch die Erarbeitung von Maßnahmen und deren Umsetungsbegleitung erfordert ein professionelles Projektmanagement
  • Sichtbare und messbare Ergebnisse: Die Teams müssen sehen, dass Ergebnisse umgesetzt und deren Erfolg messbar gemacht wird

Werden diese Best-Practices eingehalten, dann ist die psychische Gefährdungsbeurteilung ein sehr wirksames Mittel die mentale Gesundheit im Betrieb positiv zu verändern.

Wie ist der Ablauf einer psychischen Gefährdungsbeurteilung ?

Es gibt keine vorgeschriebene Form für die Durchführung einer psychischen Gefährdungsbeurteilung. Möglich sind z.B. Online-Befragungen, Interviews oder Workshops. Da sich psychische Belastungen nicht objektiv messen lassen, wie z.B. Gefahrstoffe oder eine Lärmbelästigung, ist es sinnvoll, die Mitarbeiter*innen bei Beurteilung der Arbeitssituation einzubinden und sie direkt zu befragen. Dies erhöht auch die Akzeptanz bei der Durchführung und späterer Verbesserungsmaßnahmen.

Ablauf psychische Gefährdungsbeurteilung


Ein beispielhafter Ablauf einer psychischen Gefährdungsbeurteilung ist:

  1. Vorbereitung: Arbeitsbereiche und Tätigkeiten mit ähnlichen Gefährdungen festlegen, Befragungsverfahren bestimmen, Information der Organisation inklusive Führungskräfte, Betriebsrat und Mitarbeitende
  2. Ermittlung der Gefährdungen mittels Befragung (z.B. mittels Online-Fragebogen)
  3. Gefährdungen beurteilen und Auswertung der Ergebnisse
  4. Ableiten von Schutzmaßnahmen, um psychische Gefahren zu reduzieren
  5. Dokumentation der psychischen Gefährdungsbeurteilung gemäß gesetzlicher Vorgaben (schriftlich) und Kommunikation an Organisation
  6. Wirksamkeitskontrolle der Maßnahmen
  7. Re-Evaluation nach ca. 2 Jahren und kontinuierliche Verbesserung

Was sind mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit?

Die Maßnahmen sollten immer individuell auf die jeweilige Situation und Firma abgestimmt sein. Entscheidend ist, welche Problemfelder erkannt wurden und wie man sie bestmöglich adressiert, um sinnvolle Vorsorge zu ermöglichen. Einige Beispiele für Maßnahmen können sein:

  • Kommunikation und Feedback: Maßnahmen zur Verbesserung der Kommunikation zwischen Vorgesetzten und Arbeitnehmern sowie innerhalb der Mitarbeiter*innen
  • Gestaltung des Arbeitsplatzes: z.B. ergonomische Möbel, Lärmreduktion, klimatische Verbesserungen
  • Flexible Arbeitsgestaltung: Gleitzeit, Überstundenreduktion, flexibler Arbeitsort
  • Stress Reduktion durch z.B. klare und realistische Zielsetzungen oder Erreichbarkeit über (digitale) Medien
  • Positives Arbeitsumfeld: für eine verbesserte Zusammenarbeit können Teambuilding-Aktivitäten helfen
  • Verbesserung der Erhohlzeiten und Pausen: Erholzeiten reduzieren Stress und ermöglichen ein effektiveres Arbeiten
  • Zugang zu psychischen Unterstützungsangeboten, wie z.B. Employee Assistance Programs (EAPs) oder psychischen Beratungen

Was kostet eine psychische Gefährdungsbeurteilung?

Die Kosten für eine psychische Gefährdungsbeurteilung variieren mit der Art der Durchführung (online Befragung, Workshop, Interviews) und der Anzahl der Mitarbeiter*innen im Unternehmen. Bei 100 Mitarbeiter*innen liegen die Kosten bei ca. 15€ - 20€ pro Mitarbeiter*in, bei 1.000 Mitarbeiter*innen bei ca. 7,50€ - 10,00€ pro Mitarbeiter*in. Je nach Ergebnis der Befragung können weitere Kosten für Maßnahmenentwicklung und Umsetzung anfallen.

Beispiel Kosten Durchführung psychische Gefährdungsbeurteilung bei 250 Beschäftigten:

250 Mitarbeitende x 12,50€/Mitarbeitenden = 3.125 € Gesamtkosten

Ab wie vielen Mitarbeiter*innen ist eine eine psychische Gefährdungsbeurteilung vorgeschrieben?

Gefährdungsbeurteilungen, wie auch die psychische Gefährdungsbeurteilung, sind für Organisationen ab einem Beschäftigten vorgeschrieben. Sie gilt damit für jeden Arbeitgeber in Deutschland.

Ist die psychische Gefährdungsbeurteilung Pflicht?

Ja. Jedes Unternehmen ist ab einem Beschäftigten verpflichtet, regelmäßig eine psychische Gefährdungsbeurteilung durchzuführen (§5Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG). Die Teilnahme an der Beurteilung ist für Mitarbeiter*innen freiwillig.

Wie oft muss eine psychische Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden?

Das Arbeitsschutzgesetz sieht keine festgelegten Fristen vor. Eine Re-Evaluation des Betriebes sollte erfolgen, wenn sich die Arbeitsbedingungen ändern oder neue Gefährdungen auftreten. Ansonsten ist eine Aktualisierung und Überprüfung nach 24 Monaten ratsam.

Arbeitsschutzgesetz, ist die rechtliche Grundlage der psychischen Gefährdungsbeurteilung

Das Arbeitsschutzgesetz stellt die rechtliche Grundlage des Arbeitsschutzes dar und beinhaltet als zentrales Element die Gefährdungsbeurteilung. Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen ist in §5 Abs. 3 Nr. 6 ArbSchG vorgeschrieben.

Fazit

Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz ist ein zentrales Instrument des Arbeitsschutzes und zugleich ein sehr wirksames Instrument, um das Thema mentale Gesundheit im Betrieb zu verstehen und mögliche Handlungsfelder zu identifizieren. Eine Durchführung muss einfach und effektiv sein, wie z.B. durch eine Online-Mitarbeitenden-Befragung, und professionell in der Organisation durchgeführt werden. Die Maßnahmen werden individuell auf die Firmensituation zugeschnitten.

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