Arbeitsmedizin

Arbeitsmedizinische Untersuchungen und arbeitsmedizinische Vorsorgen

Erfahre alles, was du wissen musst zur arbeitsmedizinischen Untersuchung: Inhalt, Arten, Häufigkeit, Pflichten für Arbeitgebende, Kosten.

Dr. med. Beatus Buchzik
July 9, 2024
Lesezeit:
7 Minuten

Um die Gesundheit und Sicherheit von Arbeitgebenden zu schützen, sind regelmäßige Untersuchungen und Beratungsgespräche durch Fachärzt*innen unerlässlich. Diese Untersuchungen werden unter dem Begriff arbeitsmedizinische Untersuchungen oder auch arbeitsmedizinische Vorsorge zusammengefasst und sind in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) festgehalten. Je nach Risiken am Arbeitsplatz oder in der Branche sind mehr oder weniger Vorsorgeuntersuchungen nötig. Früher wurden diese Untersuchungen auch als G Untersuchungen bezeichnet, was auch bis heute teils noch verwendet wird.

Grundlage der arbeitsmedizinische Untersuchungen ist die Gefährdungsbeurteilung. Basierend auf dieser Beurteilung und der anschließenden Vorsorge können Maßnahmen abgeleitet werden, um einen Arbeitsplatz sicher zu gestalten. Häufige arbeitsmedizinische Untersuchungen sind beispielsweise die Vorsorge Tätigkeiten an Bildschirmgeräten (ehem. G 37 Untersuchung) und die Vorsorge Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeit (ehem. G 25 Untersuchung).

Zusammenfassung

Welche der arbeitsmedizinische Untersuchungen für Mitarbeitende wichtig sind, ist abhängig von der Branche sowie dem individuellen Arbeitsplatz und der Tätigkeit. Üblicherweise beinhalten die arbeitsmedizinische Vorsorgen ein ärztliches Beratungsgespräch und eine Anamnese, gefolgt von körperlichen Untersuchungen wie Hörtests, Bluttests oder Lungenfunktionstests. Auf Basis der Gefährdungsbeurteilung werden drei Arten der Vorsorge unterschieden: Pflichtvorsorge, Angebotsvorsorge und Wunschvorsorge. Diese Untersuchungen dürfen nur von Fachärzt*innen mit der Gebietsbezeichnung "Arbeitsmedizin" oder "Betriebsmedizin" durchgeführt werden. Die Häufigkeit der Untersuchungen variiert je nach Art der Vorsorge und dem Alter sowie dem gesundheitlichen Zustand der Arbeitnehmenden. Die Kosten liegen in der Regel zwischen 50 und 200 Euro und werden vom Arbeitgebenden übernommen.

Was ist eine arbeitsmedizinische Untersuchung?

Der Begriff arbeitsmedizinische Vorsorgen umfasst verschiedene medizinische Untersuchungen, die dazu dienen, die Gesundheit und Sicherheit von Arbeitnehmenden zu schützen. Grundlage dafür bietet die Gefährdungsbeurteilung, innerhalb dieser Gefahren und Risiken für spezifische Arbeitsplätze identifiziert werden. Die arbeitsmedizinischen Vorsorgen dienen dazu:

  • Auswirkungen der Arbeit auf die körperliche und psychische Gesundheit der Arbeitnehmenden zu bewerten
  • arbeitsbedingte Gesundheitsprobleme von Arbeitnehmenden frühzeitig zu erkennen
  • erhöhte Gesundheitsrisiken für bestimmte Arbeitsplätze frühzeitig zu erkennen

In einigen Branchen mit besonders gefährlichen Tätigkeiten oder Belastungen, wie in der Bau- und Handwerksbranche oder der Industrie sind regelmäßige Vorsorgen und Nachuntersuchungen besonders wichtig. Beispielsweise wird im Rahmen der Vorsorge Belastungen des Muskel-Skelett-Systems einschließlich Vibrationen (ehem. G 46 Untersuchung) unter anderem die Belastung durch schweres Heben und Tragen von Lasten untersucht und mit der Vorsorge Lärm (ehem. G 20 Untersuchung) die Lärmbelastung, der Mitarbeitende am Arbeitsplatz ausgesetzt sind.

Inhalt: Was wird bei einer arbeitsmedizinischen Untersuchung gemacht?

Was genau bei einer arbeitsmedizinischen Untersuchung untersucht wird, ist abhängig von der Art der Vorsorge sowie der jeweiligen Branche bzw. dem Arbeitsplatz.

Üblicherweise beinhaltet die arbeitsmedizinische Vorsorge ein ärztliches Beratungsgespräch, einschließlich Anamnese. Hinzu kommen nötige körperliche Untersuchung wie beispielsweise Hörtests, Bluttests oder Lungenfunktionstests. Außerdem erfolgt eine Aufklärung und Beratung mit Verhaltensempfehlungen durch den oder die arbeitsmedizinische Ärzt*in.

Die Untersuchungen werden von dem Arzt oder der Ärztin dokumentiert und der Bericht an den Arbeitnehmenden geleitet. Auch der Arbeitgebende erhält im Anschluss eine Bescheinigung über die erfolgte Teilnahme an der Untersuchung.


Pflicht: Welche arbeitsmedizinischen Untersuchungen müssen durchgeführt werden?

Ob eine arbeitsmedizinische Untersuchung verpflichtend ist, kann anhand einer Gefährdungsbeurteilung identifiziert werden.

Arbeitsmedizinische Untersuchungen können nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) in drei Vorsorgearten eingeteilt werden: Pflicht-, Angebot- und Wunschvorsorge. Eine Pflichtvorsorge muss durch den Arbeitgebenden veranlasst werden. Der Arbeitnehmende darf die Tätigkeit erst nach Teilnahme an der Vorsorge ausführen. Eine Angebotsvorsorge muss lediglich angeboten werden. In diesem Falle sind Arbeitnehmende auch nicht dazu verpflichtet, an den Vorsorgen teilzunehmen. Außerdem muss der Arbeitgebende den Beschäftigten regelmäßig arbeitsmedizinische Vorsorgen ermöglichen, wenn diese es wünschen. Diese Vorsorgen werden als Wunschvorsorgen bezeichnet.

Es gibt drei Arten von Vorsorgen: Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorge.

Kann eine arbeitsmedizinische Untersuchung vom Hausarzt*in durchgeführt werden?

Arbeitsmedizinische Untersuchungen dürfen nur von Ärzt*innen mit der Gebietsbezeichnung "Arbeitsmedizin" oder der Zusatzbezeichnung "Betriebsmedizin" durchgeführt werden. Hausärzt*innen verfügen üblicherweise nicht über diese Qualifikation und dürfen die Untersuchungen demnach auch nicht durchführen.

In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, neben Arbeitsmediziner*innen zusätzlich Fachspezialisten zu der Vorsorgeuntersuchung hinzuzuziehen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Betriebsarzt oder Betriebsärztin gibt es verschiedene Möglichkeiten und Kriterien, auf die du achten solltest. Wie du den passenden Anbieter oder Dienstleister findest, erfährst du hier.

Wie oft werden arbeitsmedizinische Untersuchungen durchgeführt?

Angebot- und Pflichtvorsorgen sind in der Regel bis zu drei Monate vor Aufnahme der Tätigkeit zu veranlassen bzw. anzubieten. Tätigkeiten, für die eine Pflichtvorsorge nötig ist, dürfen nicht begonnen werden, bevor die Untersuchung durchgeführt wurde.

Nach Aufnahme der Tätigkeit müssen in regelmäßigen Abständen Wiederholungsuntersuchungen durchgeführt werden. Wie oft eine solche Wiederholungsuntersuchung durchgeführt werden muss oder sollte, variiert je nach  Art der Vorsorge, der jeweiligen Tätigkeit sowie persönlichen Faktoren des Arbeitnehmenden wie dem Alter oder möglichen Vorerkrankungen.

Besonders im Umgang mit Chemikalien ist es wichtig, dass Mitarbeitende regelmäßig untersucht werden.

Was kostet eine arbeitsmedizinische Untersuchung?

Die Kosten für eine arbeitsmedizinische Vorsorge ergeben sich aus der Art der Vorsorge und dem Umfang der jeweiligen Untersuchungen. Im Durchschnitt liegen sie zwischen 50 und 200 €. Die Kosten werden in der Regel vom Arbeitgebenden übernommen.

Was ist der Unterschied zwischen einer arbeitsmedizinischen Vorsorge und einer Eignungsuntersuchung bzw. Einstellungsuntersuchung?

Arbeitsmedizinische Untersuchungen bzw. Vorsorgen sind nicht zu verwechseln mit Einstellungsuntersuchung und Eignungsuntersuchungen. Bei arbeitsmedizinischen Vorsorgen steht der Schutz der Gesundheit von Arbeitnehmenden im Vordergrund. Einstellungsuntersuchung sowie Eignungsuntersuchung sollen prüfen, ob potenzielle Bewerber*innen oder Mitarbeitende die gesundheitlichen Anforderungen für eine Tätigkeit erfüllen. Bei der arbeitsmedizinischen Vorsorge steht demnach primär die Prävention von Berufskrankheiten im Vordergrund, während die anderen beiden Untersuchungen helfen, die Eignung für eine Aufgabe zu bewerten.

Die beiden Untersuchungen sind stets getrennt voneinander durchzuführen.


Wo sind arbeitsmedizinische Vorsorgen geregelt?

Arbeitsmedizinische Vorsorgen sind in Deutschland im Arbeitsschutzgesetz und in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt. Dort ist festgelegt, wann Pflicht-, Angebots- und Wunschvorsorgen erforderlich sind.

Außerdem geben das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), die Gefahrstoffverordnung (GefStoffV), die Biostoffverordnung (BioStoffV) und die Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) sowie die Richtlinien der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) weitere Vorgaben zur Durchführung und Notwendigkeit dieser Vorsorgen.


Liste: Welche arbeitsmedizinischen Untersuchungen gibt es?

Fazit: Deine Pflichten als Arbeitgeber*in

Als Arbeitgeber*in ist es deine Pflicht, die Gesundheit und Sicherheit deiner Arbeitnehmenden am Arbeitsplatz sicherzustellen. Als Grundlage dafür muss eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Diese Beurteilung hilft, die Notwendigkeit und die Art der arbeitsmedizinischen Vorsorge zu bestimmen. Demnach müssen arbeitsmedizinische Untersuchungen veranlasst oder dem Arbeitnehmenden angeboten werden. Zudem müssen Arbeitnehmende über ihr Recht aufgeklärt werden, auch auf eigenen Wunsch eine solche Untersuchung erhalten zu können, solange eine Gefahr durch die Tätigkeit am Arbeitsplatz erwartbar ist. Auch die Kosten für die arbeitsmedizinische Untersuchung sowie die Dokumentation der Durchführung gehören zu den Pflichten des Arbeitgebenden.

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